Die 41-jährige Ausdauerradsportlerin aus Anchorage, Alaska, hält bereits den Frauen-Weltrekord für eine Erdumrundung. Im September 2024 absolvierte Lael Wilcox 29.200 Kilometer in 108 Tagen, 12 Stunden und 12 Minuten. Dabei fuhr sie durchschnittlich 269 Kilometer pro Tag und bewältigte 192.000 Höhenmeter. Jetzt wollte sie nach dem absoluten Rekord, unabhängig vom Geschlecht greifen.
Seit dem Start in Chicago hatte Wilcox in 15 Tagen rund 5000 Kilometer zurückgelegt. Obwohl sie alles gab, lag sie damit hinter ihrem eigenen Zeitplan. Die Hitzewelle in Europa bereitete ihr zunehmend Probleme. Für die 29.000 Kilometer plante Lael Wilcox 386 Kilometer pro Tag. Sie wollte täglich 16 Stunden auf dem Rad verbringen. Doch solche extremen Leistungen angesichts der Hitze zu bewältigen, brachte ihren Körper an den Rand der Leistungsfähigkeit. Da half es auch nicht, dass sie ihren Körper mit Eiswürfelpaketen regelmäßig abkühlte. In Frankreich unweit der Hauptstadt Paris stieg sie jetzt vom Rad Auf einem Instagram-Video sieht man sie sichtlich angefasst unter Tränen, wie sie den Abbruch des Rekordversuchs begründet. “Mir war jeden Tag übel, und heute Morgen musste ich mich schließlich schon in der ersten Stunde meiner Fahrt übergeben – der Hitzschlag hat mich überwältigt. Aus Sorge um meine Gesundheit und Sicherheit hat mich mein Team gebeten, meine Fahrt abzubrechen. Ehrlich gesagt bin ich erstaunt, dass ich die letzten 14 Tage durchgehalten habe. Die Bedingungen waren wirklich hart”, erklärt sie in einem Post. Wilcox war klar, dass auch in den nächsten Tagen keine Änderung beim Wetter zu erwarten war und sie den Rekord nur erreichen kann, wenn sie täglich fast 400 Kilometer abspult. “Ich gebe nur ungern auf, aber diesmal ist es die richtige Entscheidung. Ich schaffe das Renntempo bei dieser Hitze einfach nicht. Es war schön, die Etappe mit einer tollen Crew vorbei an Fontainebleau in Zentralfrankreich zu beenden”, erklärt sie auf Instagram.
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Lael Wilcox war zunächst von Chicago nach Halifax in Nova Scotia gefahren. Nach der Atlantiküberquerung folgte die Europa-Etappe von Lissabon nach Istanbul. In Frankreich zog sie aber die Notbremse. Ursprünglich wäre es weitergegangen durch Kasachstan in Zentralasien nach Südostasien, wo sie von Bangkok nach Singapur gefahren wäre. In Australien wäre die Strecke Perth-Brisbane auf dem Programm gestanden, gefolgt von einem Abschnitt durch Neuseeland. Das Ziel in Chicago hätte sie nach Plan vor dem 24. August um 18:40 Uhr erreichen müssen.
Für die 29.000 Kilometer plante Lael Wilcox 386 Kilometer pro Tag. Erstmals in ihrer Ultra-Racing-Karriere fuhr sie mit voller Unterstützung. Zu ihrer Crew gehörten ihre Frau Rue Kaladyte und drei bis vier Helfer. Sie fuhren in einem Wohnmobil und versorgten Wilcox mit kalten Getränken und Eiswürfelpaketen, die sich Wilcox unter das Trikot steckte. Doch nach dem Abbruch des Projekts ist jetzt auch für die Begleiter Erholung angesagt. Sofort will Wilcox noch nicht zurück in die USA fliegen: “Wir fahren weiter in die Schweiz und dann zurück nach Hause – vielleicht machen wir noch einen kurzen Zwischenstopp in Litauen.”
Wilcox begann ihre Karriere weitgehend autodidaktisch. Nach einem Achillessehnenriss während einer Schicht im Restaurant lieh sie sich das Rad ihrer Mutter, um den Fuß zu entlasten. Seitdem tritt sie international in allen Disziplinen an: Straße, Gravel, Mountainbike und Fatbike. 2015 stellte sie den Frauen-Rekord beim Tour Divide auf. 2016 gewann sie als erste Frau und erste US-Amerikanerin das Trans Am Bike Race. Wilcox engagiert sich für die Förderung von Frauen im Radsport und organisiert Mentoring-Programme für Kinder, Abenteuer-Stipendien und Bikepacking-Treffen für Frauen.

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