Meine Füße sind weder besonders breit noch hoch. Trotzdem passen viele Schuhe nur mit Kompromiss. Ähnliches erzählen mir auch immer wieder Leute: zu eng am Vorfuß, Druckstellen, taube Zehen. Als wir in der Redaktion erstmals von Hezo hörten, war die Neugier groß: Fahrrad-Schuhe, die per App-Scan maßgefertigt werden. Ist das endlich die Lösung für alle, die noch immer keinen richtig gut passenden Fahrradschuh gefunden haben? Wir haben ein Paar Gravel-Schuhe des Saarländischen Unternehmens für Testzwecke bekommen.
Der Hezo Wolfland 01 liefert, was kaum ein Serienschuh kann: eine Passform, die auf den einzelnen Fuß abgestimmt ist. Die einzelnen Komponenten lassen sich austauschen, so dass das Schuhleben deutlich verlängert werden kann. Das Konzept überzeugt, hat aber auch Grenzen, etwa beim Temperaturmanagement. Wer bei Wärme fährt oder zu Schweißfüßen neigt, wird das im Vergleich zu einem luftigen Modell spüren. Im Großen und Ganzen ist der 3D-gedruckte Schuh von Hezo eine ernsthafte Option, ordnet sich mit seinem Preis von 250 Euro eher im oberen Bereich ein, ist dafür aber maßgefertigt. Wer bestellt, muss sich auf eine Wartezeit von acht bis zwölf Wochen einstellen, in der der Scan verarbeitet, die Einzelteile gedruckt und zusammengesetzt sind und die Schuhe geliefert werden.
Getestet wurde der Schuh auf rund 300 Kilometern auf schnellen Gravel-Wegen, überwiegend bei Feierabendrunden um die 50 Kilometer.
Drei Fotos der Füße genügen für das digitale Fußmodell über die HEZO Scan App. Wer allein scannt, merkt schnell: Eine zweite Person macht das Fotografieren deutlich einfacher. Die richtige Kameraposition mit der eigenen Hand zu finden ist schwieriger. Weil jeder Schuh auf Bestellung produziert wird, sollte man mit 8 bis 12 Wochen rechnen. In der Zwischenzeit gibt es E-Mail-Updates zum Produktionsstand – das nimmt etwas die Ungeduld. Das Unboxing macht dann Lust auf mehr: Die Test-Schuhe kamen in einer bunten Box – ob das mit neuen Verpackungsregeln immer noch so ist, wissen wir nicht.
Natürlich werden die neuen Treter als erstes ganz genau beäugt. An einigen Stellen ist der Herstellungsprozess sichtbar – etwa an der Sohle innen wie außen, wo Übergänge nicht immer makellos sind. Die Funktionalität leidet nicht darunter, aber es erinnert daran, dass Hezo ein junges, kleines Unternehmen ist, das noch wächst.
Eine Besonderheit: Für die Cleat-Montage liegen Torx-Schrauben bei; im Lieferumfang der meisten Cleats sind Inbusschrauben enthalten.
Das erste Anziehen und ein erleichterndes “Oho”: Der Zehenbereich hat Raum, ohne dass der Schuh insgesamt zu groß wirkt. Von oben geschaut erinnert die Form an manch Barfuß-Sneaker. Die Cleat-Montage funktioniert wie sonst auch, durch das feste Material lassen sich die Zehengrundgelenke schwer tasten. Zunächst montiere ich die Cleats dadurch zu weit hinten. Das merke ich während der Fahrt. Vor der nächsten Fahrt korrigiere ich und merke: Die Schrauben unbedingt nochmal nachziehen.
Dann ist da der entscheidende Schwachpunkt. Der TPU-Schaumstoff-Innenschuh, ummantelt von der steifen MonoShell, sitzt präzise am Fuß – atmet aber kaum. Im Sommer blieb der Wolfland 01 deshalb fast durchgehend im Regal. Wer zu warmen Füßen oder Schweißfüßen neigt, wird das rasch und deutlich spüren. Das ist die wesentliche Einschränkung dieses Schuhs – und sie sollte bei der Kaufentscheidung das meiste Gewicht haben. Kühlere Temperaturen im Frühjahr, Herbst oder an milden Wintertagen sind das eigentliche Terrain des Wolfland 01.
Der Fidlock Winch Magnetverschluss lässt sich schnell und einfach schließen und öffnen – die Bedienung ist ähnlich wie bei einem Boa-Verschluss. Um den Schnürsenkel gleichmäßig zu straffen, hilft eine zweite Hand. Durch den Magnetverschluss ist der Schuh schnell weit geöffnet, um reinzuschlüpfen, der Verschluss sucht aber auch immer wieder sein Gegenstück; beim Ausziehen hat er sich schon das ein oder andere Mal selbst wieder verschlossen. Nichts, was Gewöhnung nicht regeln würde.
Die GripLock-Sohlenelemente lassen sich einfach tauschen, das Fersenelement ist gesteckt, die anderen gesteckt und geschraubt. Ersatzteile gibt es direkt bei Hezo.
Zum Preis: 250 Euro liegt im Bereich eines gehobenen Gravel-Schuhs. Für maßangefertigte Schuhe durchaus akzeptabel. Ob der Mehrpreis gegenüber dem Serienprodukt aufgeht, entscheidet vermutlich das eigene Passformproblem.
| Pro | Contra |
| Passform sehr gut | Kaum Luftzirkulation, Füße werden warm |
| Austauschbare Sohlenelemente und Innenschuh | an manchen Stellen ist der Herstellungsprozess erkennbar |
| Frei wählbare Farben für alle Komponenten | |
| Maßanfertigung mit 60-Tage-Passformgarantie |
Der Wolfland 01 ist die richtige Wahl für Radsportler, die es leid sind, Schuh um Schuh zu probieren und noch immer nicht den perfekt passenden Schuh gefunden zu haben. Ein Budget von 250 Euro und eine Wartezeit von 8 bis 12 Wochen müssen eingeplant sein und Abstriche beim Temperaturmanagement gemacht werden. Wer zu Schweißfüßen neigt, schnell warme Füße bekommt oder keine lange Wartezeit einplanen kann oder will, wird mit dem Wolfland 01 vermutlich weniger glücklich.

Redakteurin
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