Alpe d'Huez im SelbsttestSo sind die legendären 21 Kurven wirklich

Leon Weidner

 · 05.09.2026

Alpe d'Huez im Selbsttest: So sind die legendären 21 Kurven wirklichFoto: Martin Nitzschmann
Bei gemütlichem Tempo machen die Kehren von Alpe d’Huez richtig Spaß. Vor allem bei dieser Aussicht und Sonnenschein pur!
Alpe d'Huez ist der wohl berühmteste Anstieg der Radsport-Welt. Doch was macht die 21 Kehren wirklich so besonders? Ein Selbsttest während der Tour de France zeigt: Die Legende lebt vor allem von ihrer einzigartigen Atmosphäre.​

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Es gibt kaum einen Anstieg, dessen Name im Radsport einen größeren Klang hat als Alpe d'Huez. Die 21 Kehren sind selbst Menschen ein Begriff, die sonst nur während der Tour de France einschalten. Als mein Kollege und ich während der Frankreich-Rundfahrt die Gelegenheit hatten, den Anstieg selbst zu fahren, waren die Erwartungen entsprechend hoch. Schließlich gilt Alpe d'Huez als eine der ganz großen Legenden des Sports. Doch spätestens auf den ersten Kilometern stellte sich eine überraschende Erkenntnis ein: Der Mythos ist vielleicht doch ein bisschen größer als der Berg selbst.

Alpe d’Huez: Ein Anstieg, der einfach Spaß macht

Das soll keineswegs negativ klingen. Im Gegenteil. Alpe d'Huez ist ein wunderschöner Anstieg. Die Straße ist breit, der Asphalt hervorragend und die Steigung gleichmäßig genug, um schnell einen guten Rhythmus zu finden. Statt ständig gegen brutale Rampen ankämpfen zu müssen, kann man die Auffahrt tatsächlich so richtig genießen, zumindest solange man sie nicht im Rennen fahren muss.

Dazu kommt die beeindruckende Landschaft. Mit jeder Kurve öffnen sich neue Blicke auf Bourg-d'Oisans und die umliegenden Berge. Gerade am Morgen, wenn die Sonne langsam ins Tal scheint, ist die Aussicht schlicht atemberaubend. Immer wieder ertappten wir uns dabei, kurz den Blick von der Straße zu lösen und die Kulisse zu genießen. Rein fahrerisch gehört Alpe d'Huez damit zweifellos zu den schönsten Anstiegen, die man als Rennradfahrer einmal erlebt haben sollte.

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Die eigentliche Magie liegt woanders

Und trotzdem: Wer nur die Straße und die Landschaft bewertet, wird an anderen Orten ähnlich schöne oder sogar schönere Anstiege finden. Die eigentliche Besonderheit von Alpe d'Huez liegt woanders.

Schon in Bourg-d'Oisans war die Stimmung spürbar. Der gesamte Ort schien sich an diesem Tag nur um den Radsport zu drehen. Überall fuhren Rennradfahrer durch die Straßen und es herrschte eine leichte Anspannung wegen der bevorstehenden Tour-Etappe. Man merkt sofort, dass hier Menschen zusammenkommen, die dieselbe Leidenschaft teilen.

Diese besondere Atmosphäre begleitet einen bereits auf den ersten Metern des Anstiegs. Obwohl wir viele Stunden vor der Ankunft der Profis unterwegs waren, standen zahlreiche Fans mit ihren Autos oder im Zelt schon an der Strecke. Wohnmobile hatten längst ihre Plätze bezogen, Campingstühle waren aufgebaut und überall herrschte Vorfreude auf den großen Moment am Nachmittag.

Wenn jeder Radfahrer angefeuert wird

Bemerkenswert war dabei, dass nicht nur die Profis im Mittelpunkt stehen. Auch Hobbyfahrer werden angefeuert. Immer wieder hörten wir Zurufe von Zuschauern, die uns motivierten, obwohl wir mit dem eigentlichen Rennen nichts zu tun hatten.

Genau dadurch entsteht das Gefühl, Teil eines größeren Ganzen zu sein. Für ein paar Stunden verschwimmen die Grenzen zwischen Fans, Amateuren und Profis. Alles dreht sich um das Fahrrad und um die Begeisterung für diesen Sport. Diese Atmosphäre lässt sich kaum beschreiben. Man muss sie erleben.

Die Fans machen die Legende von Alpe d’Huez

Nach und nach füllten sich die Kehren mit Fans, die Menschenmassen kann man sich, ohne es gesehen zu haben, kaum vorstellen. Natürlich sind die 21 Kurven berühmt. Natürlich haben hier unzählige Tour-Geschichten ihren Ursprung. Doch ohne die Fans wäre der Anstieg wohl nur einer von vielen Alpenpässen.

Erst die Menschen am Straßenrand machen aus Alpe d'Huez einen Mythos. Die Tausenden Zuschauer, die stundenlang auf die Fahrer warten. Die Begeisterung, mit der jeder Angriff gefeiert wird. Und die Lautstärke, mit der die Profis förmlich den Berg hinaufgeschrien werden.

Fazit: Nicht der Berg, sondern das Erlebnis

Alpe d'Huez ist ein hervorragender Anstieg, keine Frage. Er bietet eine schöne Straße, traumhafte Ausblicke und genau die Art von Auffahrt, die man als Rennradfahrer gerne fährt. Das allein erklärt den legendären Status jedoch nicht.

Was Alpe d'Huez wirklich besonders macht, ist die einzigartige Atmosphäre rund um die Tour de France. Die Leidenschaft der Menschen in Bourg-d'Oisans, die Fans entlang der Strecke und die Begeisterung für den Radsport machen aus einem sehr schönen Berg eine echte Legende. Wer Alpe d'Huez fährt, erlebt einen großartigen Anstieg. Wer Alpe d'Huez während der Tour de France fährt, erlebt weit mehr als das.

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Leon Weidner

Redakteur

Leon Philip Weidner ist Kölner, verfolgt den Profi-Radsport intensiv und ist selbst leidenschaftlich auf dem Rennrad unterwegs. Neben langen Kilometern im Sattel des Straßenrads sitzt er auch regelmäßig auf dem Zeitfahrrad – stets mit dem nächsten Triathlon im Blick. Seine Expertise verbindet sportliche Praxis mit Szenewissen.

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