Nur 113 Kilometer, komplett auf schweizerischem Boden, waren zu absolvieren. Geprägt wurden sie vom Schlussanstieg nach Carì, an dem Vingegaard dieses Mal erstaunlich früh in die Offensive ging. Bereits sieben Kilometer vor dem Ziel ließ der 29-Jährige die noch in der Spitzengruppe verbliebenen Kontrahenten stehen, ehe er seinen vierten Tagessieg in Italien feierte.
“Meine Teamkollegen und ich wollten heute den Etappensieg”, erklärte Vingegaard im Siegerinterview. “Wir wollten versuchen, im Rosa Trikot zu gewinnen, obwohl es auch schiefgehen kann. Wir haben die erste Möglichkeit dafür genutzt, denn dann hätten wir im Zweifel noch eine weitere gehabt”, erklärte er den frühen Angriff. Nachdem er schnell eine Lücke von einer Minute gerissen hatte, passte er sein Tempo an.
In der Gesamtwertung liegt er nun vier Minuten vor Gall, der genau wie Thymen Arensman (Netcompany INEOS) und Jai Hindley (Red Bull - BORA - hansgrohe), nun an Afonso Eulalio (Bahrain - Victorious) vorbeigezogen sind. Der Portugiese verteidigte aber das Trikot des besten Jungprofis, was vor allem auch damit zu tun hat, dass sich Hindley Teamkollege Giulio Pellizzari aus dem Kampf aus dem Ranking verabschiedet hat. Der Italiener kassierte mehr als 22 Minuten Rückstand auf den Tagessieger, weil er bereits am Fuße des gut zwölf Kilometer langen Schlussanstieges abgehängt wurde.
Das Rennen um die Podiumsplätze hinter Vingegaard bleibt derweil spannend. Gall, Arensman und Hindley trennen nur 57 Sekunden, wobei vor allem beim Australier die Kurve nach oben zeigt. Gall konnte zwar nochmal ein klein wenig Boden gutmachen, wirkte aber am Berg nicht mehr so souverän wie noch in der Vorwoche.
Auch auf der Bergetappe spitzte sich derweil der Kampf ums Punktetrikot zu. Weil sich Jhonatan Narvaez (UAE Team Emirates - XRG) am Zwischensprint weitere Zähler sicherte, liegt er wieder nur noch zwei Punkte hinter Paul Magnier (Soudal Quick-Step). Die Entscheidung könnte demnach erst im Finale von Rom fallen.
| RG | Fahrer | Zeit |
|---|---|---|
| 1 | Team Visma | Lease a Bike | 02:57:40 |
| 2 | Decathlon CMA CGM Team | +000:01:09 |
| 3 | Red Bull - BORA - hansgrohe | +000:01:11 |
| 4 | Netcompany INEOS | +000:01:14 |
| 5 | Lidl - Trek | +000:01:18 |
| 6 | Team Visma | Lease a Bike | +000:01:34 |
Bei 32 Grad am Start in Bellinzona gingen noch 157 Fahrer in die dritte und letzte Woche des Giros. Auf der relativ flachen Anfahrt zu ersten Bergwertung fuhren sich elf Profis um Tim Torn Teutenberg (Lidl - Trek), Antonio Morgado (UAE Team Emirates - XRG) und Diego Ulissi (XDS Astana Team) ein kleines Polster heraus. Bis zur ersten Bergwertung (3. Kategorie) war jedoch alles wieder neutralisiert. Giulio Ciccone (Lidl - Trek) sicherte sich dort die Punkte und formierte mit seinem Angriff eine neue Gruppe.
Mit dabei insgesamt zwölf Fahrer, unter ihnen Jardi Christiaan van der Lee (EF Education - EasyPost)als Stellvertreter für Vingegaard im Bergtrikot oder auch der dreifache Etappensieger Narvaez. An der nächsten Bergwertung (2. Kategorie) war es erneut Ciccone, der sich die Punkte sicherte und als Solist die erste von zwei Runden im Mittelteil der Strecke absolvierte. Zum Italiener gesellten sich auf den nächsten Kilometern Narvaez, Ulissi, Einer Rubio (Movistar Team) und Chris Harper (Pinarello - Q36.5 Pro Cycling Team).
Während die Verfolger auf der zweiten Runde gestellt wurden, sammelte Ciccone erneut die Zähler an den Bergwertungen ein. Mit gut anderthalb Minuten ging die die Spitze dann auf die letzten 45 Kilometer. 20 Kilometer vor dem Ziel waren 1:15 Minuten geblieben, Decathlon CMA CGM hatte die Tempoarbeit übernommen.
Bis zum 12,4 Kilometer langen Schlussanstieg schrumpfte der Abstand weiter, die Gruppe zerfiel zudem. Als letzter Ausreißer wurde Harper gestellt. Schon an der Zehn-Kilometer-Marke war der Australier fast gestellt, weil Red Bull mit Volldampf in den Tag fuhr. Dann aber explodierte Pellizzari, woraufhin das deutsche WorldTeam die Arbeit komplett einstellte. Für den Italiener war der Kampf um die Gesamtwertung damit aber dennoch beendet.
Nach und nach mussten weitere Klassementfahrer reißen lassen. Michael Storer (Tudor Pro Cycling Team) und Derek Gee-West (Lidl - Trek) waren bereits sieben Kilometer vor dem Ziel weg, Eulalio noch früher. Und schon kurz darauf ging Vingegaard in die Offensive. Gall versuchte zu folgen, dahinter gruppierten sich Hindley und Arensman. Dessen Teamkollege Egan Bernal und Vingegaard-Helfer Davide Piganzoli kamen zurück.
Fünf Kilometer vor dem Ziel war auch Gall wieder in der größeren Verfolgergruppe, etwas später auch Gee-West. Während Vingegaard sein eigenes Ding machte und den nächsten Sieg eintütete, attackierte 1400 Meter vor dem Ziel Arensman. Nur Gall und Hindley blieben dran, Gee kämpfte sich abermals zurück. Dann wurde um die Bonussekunden gesprintet: Gall fuhr dabei auf Rang zwei vor Hindley.