Grix oder Fascenario.X? Das Fascenario.X ist mit seiner Aero-Optimierung und der leicht nach vorne verlagerten Sitzposition im Storck-Portfolio das etwas konsequentere Race-Gravelbike, das mit entsprechender Ausstattung dennoch tourentauglich bleibt. Die Paradedisziplin des Fascenario.X sind Wald- und Feldwege, auf denen sich wunderbar hohes Tempo bolzen lässt.
| Gewicht | 8.47 kg |
| Schaltung | Shimano GRX RD-RX 825 |
| Bremse vorne | Shimano GRX 825/820 |
| Laufradsatz | Zeitjaeger Platinium 45G |
| Reifen vorne | Schwalbe G-One RS Pro TLR 45-622 |
Es ist durchaus bemerkenswert, mit welch hoher Frequenz Markus Storck neue Modelle auf den Markt bringt. Das Gravelbike Grix wurde erst vor wenigen Monaten runderneuert, nun steht das Fascenario.X als weiterer neuer und sportlicher Geländerenner im Portfolio. Die Bezeichnung deutet es schon an, der Rahmen ist vom bekannten Wettkampf-Straßenrenner Fascenario abgeleitet. Sichtbare Parallelen sind die aerodynamischen Rahmenformen, das nach unten verjüngte Sitzrohr und der Hinterbau mit tief angesetzten Streben.
Storck verortet das neue Modell als Plattform für schnelle Gravelrennen und betont dabei den Anspruch, das spritzige Fahrverhalten des Straßenrenners aufs Gelände zu übertragen. Damit folgt das Rad einem aktuellen Trend, der immer mehr sportliche und schnelle Gravelbikes mit High-End-Technik hervorbringt. Zugeständnisse bei der Reifenbreite verlangt das sportliche Konzept nicht. Das Testrad rollt auf 45 Millimeter breiten Schlappen, Platz wäre augenscheinlich auch für mehr. Lediglich das zarte Profil der leichten Schwalbe-Rennreifen ist ein Zeichen dafür, dass der Fokus mehr auf Speed statt auf Grip liegt. Die Unterschiede in der Geometrie im Vergleich mit dem Allrounder Grix sind auf dem Papier marginal: Minimal kürzere Kettenstreben und ein steilerer Sitzwinkel bedeuten etwas mehr Wendigkeit und Gewicht auf dem Vorderrad. Der etwas flachere Lenkwinkel mit längerem Vorbau verspricht wiederum eine höhere Fahrstabilität bei hohem Tempo. Außerdem kommt das Fascenario.X mit einem etwas schmaleren Lenker. Nach Zahlen sind das aber nur Nuancen.
Das Grix, vor rund einem halben Jahr im Test, erwies sich bereits als betont sportliches Gravelbike, mit einer kompakten Sitzposition, die wir als uneingeschränkt renntauglich einordnen würden. Eine noch aggressivere Sitzposition dürften selbst gestandene Rennfahrer kaum vermissen, erst recht nicht auf der Langstrecke. Tatsächlich sitzt der Lenker am rennorientierten Fascenario.X aber sogar etwas höher als beim Grix, das Storck als Allrounder bezeichnet. Dank etwas mehr Rahmen-Reach und einem einen Zentimeter längeren Vorbau sitzt man aber auch auf dem Fascenario.X sportlich gestreckt. Interessenten sollten deshalb genau auf die Geometrietabelle schauen: Mitunter kann ein etwas kleineres Fascenario.X besser passen.
Das Fahrverhalten prägen die ultraleichten Zeitjaeger Platinum-Laufräder mit Carbonspeichen, die Storck der „Launch Edition“ des Fascenario.X spendiert. Trotz recht breiter Reifen und 8,4 Kilogramm Gesamtgewicht lässt sich das Rad gut beschleunigen und wirkt im Gelände regelrecht verspielt. Fährt man schnell über grobes Geläuf, geht von dem leichten Vorderrad eine gewisse Nervosität aus, die man mit einer ruhigen Hand am Lenker aber auch wieder einfangen kann.
Die Paradedisziplin des Fascenario.X sind Wald- und Feldwege, auf denen sich wunderbar hohes Tempo bolzen lässt. Die am Testrad verbaute elektronische 2x12 GRX ist mit ihrer feinen Abstufung dafür ebenso prädestiniert wie die schnellen, in der Mitte fast profillosen Reifen, die auch mit wenig Druck noch erstaunlich schnell rollen. Mittelgroße Unebenheiten schlucken die Pneus gut weg, auch die Aero-Sattelstütze federt ordentlich. Im Unterlenker entlastet eine abgeflachte Handauflage, so lässt es sich eine Weile gut aushalten. Trotz der sportlichen Ausrichtung macht das Fascenario.X auch als Allrounder eine gute Figur. Am Unterrohr findet sich eine Montagemöglichkeit für eine Werkzeugbox. Taschen müsste man mit Riemen befestigen, denn Anschraubösen für weiteres Gepäck bietet das Rahmen-Set ansonsten nicht.
Die Gewinde für ein festes Schutzblech an der Gabel erscheinen in diesem Kontext etwas inkonsequent, denn am Heck finden sich adäquate Befestigungsösen nicht. Letztlich schaden sie aber auch nicht und sind an der Innenseite der Gabelscheiden gut versteckt, so dass sie auch die cleane Optik nicht stören.
Ob eine Entscheidung eher zugunsten des Grix oder des neuen Fascenario.X ausfallen sollte, lässt sich gar nicht so einfach und eindeutig beantworten. Beide Räder liegen sehr nahe beieinander, was Geometrie und Fahrverhalten angeht. Wer ein leichtes und sportliches Abenteuer-Gravelbike sucht, das im gelegentlichen Renneinsatz nicht zum Hindernis wird, ist mit dem Grix gut beraten. Das Fascenario.X ist mit seiner Aero-Optimierung und der leicht nach vorne verlagerten Sitzposition das etwas konsequentere Race-Gravelbike, das mit entsprechender Ausstattung dennoch tourentauglich bleibt. Wem das nicht hilft, der darf sich beruhigt nach optischen Vorlieben und der Farbe entscheiden: Wenn man nicht gerade auf ein komfortables und robustes Abenteuer-Bike aus ist, macht man mit beiden Modellen nichts falsch.
Mit dem Baukastensystem von Storck lassen sich mit unterschiedlichen Schaltgruppen und Laufrädern Einsatzzweck und Preis beider Räder justieren. Das Fascenario.X ist zum Marktstart nur als Launch-Edition in der gezeigten, edlen waldgrünen Metallic-Lackierung erhältlich. Zweifach-Antriebe gibt es von Shimano als mechanische oder elektronische Version; auch die modernen 1x13-Getriebe von SRAM können konfiguriert werden (Force oder Red AXS). Die Preise starten bei 5.899 Euro, wobei die Carbonspeichen-Laufräder bereits serienmäßig montiert sind. Weitere, auch günstigere Optionen werden sicher demnächst nachgeschoben, doch erfahrungsgemäß sind die Zeitjaeger Platinum ein empfehlenswertes Upgrade: Sie lassen das Rad spürbar leichtfüßiger wirken und kosten gegenüber den Alternativen einen überschaubaren Aufpreis. Das Top-Modell mit SRAM Red AXS 1x13 soll knapp 8.000 Euro kosten, was im Konkurrenzvergleich ein ziemlich fairer Preis ist – andere Räder mit vergleichbarer Ausstattung kosten gern fünfstellige Beträge.

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